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Peer Counseling

Mit dem Begriff Peer Counseling wird eine spezielle Form der Beratung bezeichnet, bei der Betroffene durch Betroffene beraten werden. Dabei wird von dem Selbstverständnis ausgegangen, dass Menschen, die sich in einer bestimmten Situation befinden, am glaubwürdigsten Hilfe von Menschen annehmen können, die gleiche oder ähnliche Situationen bereits selbst durchlebt haben. Auch der Mut Probleme authentisch zu offenbaren ist größer, wenn man mit Gleichgesinnten darüber spricht. Dieser Ansatz wurde im Zuge der amerikanischen Independent Living Bewegung von selbstbewussten behinderten Menschen entwickelt. Sie wehrten sich gegen eine Bevormundung durch nicht behinderte Experten, die zu wisssen glaubten, was das Beste für behinderte Menschen sei. Vielmehr verstanden sie sich als Experten in eigener Sache, die selbst über die Kompetenz verfügten, ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen und mit eigenen Lösungsstrategien umzusetzen. So wurde das Konzept Peer Counseling Beratung behinderter Menschen durch behinderte Menschen geboren.

Dieses Konzept ist seit Gründung des VbA Selbstbestimmt Leben die Grundlage unserer Arbeit.

Was unterscheidet das Peer Counseling von anderen Beratungsansätzen?

Die Grundlagen des Peer Counseling gehen auf den amerikanischen Gesprächstherapeuten Carl Rogers zurück. Dieser ging davon aus, dass ein erfolgreiches Beratungsgespräch von drei Faktoren abhängt:

  • Hat der/die Ratsuchende ausreichend Raum, sein Anliegen, Bedürfnis oder Problem zu artikulieren? .
  • Wird das Gesagte vom Zuhörer richtig verstanden? .
  • Werden vorhandene Lösungsmöglichkeiten, die der/die Ratsuchende oft bereits in sich trägt, motivierend entschlüsselt und aufgegriffen? .

Diese drei Faktoren werden beim Peer Counseling entscheidend berücksichtigt.

Eine ratsuchende behinderte Person erhält also erst einmal ausreichend Zeit, um sich auszudrücken. Das ist insbesondere auch deshalb wichtig, weil bestimmte Themen mit Scham besetzt sein können und einige Zeit brauchen, um ausgesprochen zu werden. Der/die Peercounseling-Berater/Beraterin bewertet das Gesagte nicht, unterbricht nicht, gibt aber durch Nicken, Blickkontakt oder andere nonverbale Signale zu verstehen, dass er/sie zuhört (aktives Zuhören).

Im zweiten Schritt fasst die Beraterin die Anliegen und Äußerungen zusammen, die sie meint verstanden zu haben. Dies bezeichnet man als Spiegeln oder Pharaprasieren.zum Beispiel: "Wenn ich Sie richtig verstanden habe, fühlen Sie sich im Moment...” Die ratsuchende Person kann der Zusammenfassung zustimmen oder sie korrigieren. So können Missverständnisse untereinander vermieden werden. Gleichzeitig tut es gut, richtig verstanden worden zu sein.

Im dritten Schritt werden gemeinsam Lösungen entwickelt, die sich an den persönlichen Fähigkeiten (Ressourcen) des Ratsuchenden orientieren. Auch ungewöhnliche Lösungen sind dabei legitim, denn die ratsuchende Person ist Expertin in eigener Sache.

Die wichtigsten Unterschiede zu herkömmlichen Beratungsmethoden:

Peer Counseling

  • Behinderte beraten Behinderte als Experten in eigener Sache .
  • Keine Berater-Klient-Hierarchie; auch jeder Berater lernt seinerseits vom Ratsuchenden .
  • Aufmerksames von Empathie geprägtes Zuhören .
  • Keine Bewertung von Äußerungen .
  • Ressourcen orientierter Kompetenzansatz .
  • Unterstützen beim Entdecken der eigenen Stärken .
  • Emanzipatorischer Beratungsansatz .
  • Gemeinsame Entwicklung von Lösungen, keine voreiligen Patentrezepte .

Herkömmliche Beratung

  • Wissender nichtbehinderter Experte - Unwissender behinderter Ratsuchender .
  • Klient-Berater-Hierarchie .
  • Defizitorientierter Blick auf Behinderung .
  • Belehrende, wertende Haltung .
  • Vorschnelle Lösungen, wenig Einbeziehung des/der Ratsuchenden .

Sie befinden sich hier: Peer Counseling aktualisiert: 26.05.2016