Mehr als 150.000 Kinder und Jugendliche sind in Deutschland nach Angaben des Deutschen Rings schwerbehindert, davon sind 60.000 junge Behinderte unter 15 Jahren auf eine ganztägige Pflege angewiesen. Und 98 Prozent der pflegebedürftigen Kinder und Jugendlichen werden zu Hause von ihren Müttern versorgt, so der Deutsche Ring. Körperpflege, Unterstützung beim Essen sowie Hilfe bei alltäglichen Verrichtungen, aber auch die psychosozialen Aspekte hinterlassen ihre Spuren bei den Frauen. Nach Erfahrungen des Deutschen Müttergenesungswerks ist der Alltag der Mütter von sozialer Isolation, mangelnder Anerkennung ihrer Arbeit als Hausfrau und Mutter sowie durch eine extreme körperliche Belastung geprägt. Mit wachsendem Alter der behinderten Kinder, wenn sie größer und schwerer werden und Verhaltensauffälligkeiten oft noch zunehmen, steige die Belastung sogar noch an – im Gegensatz zu anderen Müttern, deren Kinder „flügge“ werden, so das Müttergenesungswerk.
Verschiedene Untersuchungen haben in der Vergangenheit immer wieder belegt, wie sehr die Frauen in solchen Situationen belastet und gesundheitlich beeinträchtig sind. Psychovegetative Störungen wie depressive Verstimmungen, nervöse Reizbarkeit, Schlafstörungen und ein allgemeiner Schwächezustand sind nur einige Beispiele.
So beschäftigt sich seit Sommer 2004 ein Forschungsprojekt an der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) unter Leitung von Dr. Claudia Wendel mit den „Psychosozialen Belastungen von Müttern hirngeschädigter Kinder“. Mit Hilfe verschiedener Fragebögen wurden die famili-äre Belastung erfasst und die Mütter befragt, ob sie Unterstützungsangebote in Form von Selbsthilfegruppen, durch Familie, Freunde oder Bekannte in Anspruch nehmen. Zusätzlich wurden die Mütter gebeten, ihre derzeitige Situation auf einer Skala von „Normalität“ bis hin zur „Krise“ einzuordnen. Es zeigte sich, dass sich die Mehrzahl der Mütter eher im Bereich der „Krise“ einordnete. Ein Weg aus dieser Krise könne – wie auch andere Studien belegt hätten – die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe sein, was für die Betroffenen generell eine Entlastung darstelle, so die Magdeburger Forscher.
Auch Mirjam Hinse und Constanze Trilk haben in ihren Diplomarbeiten im Studiengang Psychologie an der Universität Bielefeld 1999 und 2000 die besondere Lebenssituation von Müttern, deren Kinder mit einer Behinderung leben, untersucht. Von den insgesamt 100 befragten Frauen nahm jede zweite regelmäßig Medikamente oder homöopathische Mittel ein. Mehr als ein Fünftel der befragten Mütter war chronisch krank, und alle Mütter gaben an, unter psychosomatischen Beschwerden zu leiden. Am häufigsten wurden Müdigkeit und Erschöpfung, Rücken- und Nackenschmerzen, Verspannungen, Kopfschmerzen/Migräne, Schlafprobleme, Gelenkschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden genannt. Viele Mütter wiesen einen teilweise besorgniserregenden Gesundheitszustand auf. Etwa die Hälfte hatte eine persönliche Hilfsberatung und gut ein Viertel eine Psychotherapie in Anspruch genommen. In einer Selbsthilfegruppe oder Elterninitiative war mehr als ein Fünftel organisiert. Dies wurde als besonders hilfreich bewertet.
FS.
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