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Freedom Drive 2007

Die Stimmung war, im Gegensatz zum Wetter, durchwegs sehr gut an den 3 Tagen in Strasbourg. Behinderte Menschen aus Belgien, Bulgarien, Frankreich, Deutschland, Irland, Italien, Norwegen, Spanien, Schweden und England trafen sich am 4.9. im European Youth Center, wo die Möglichkeit zum Mittagessen und einem ersten Kennenlernen gegeben war. Danach gings ins nicht weit entfernte Europäische Parlament, wo sich Abgeordnete aller teilnehmenden Länder mit den angereisten Behinderten ihres Landes zu Gesprächen, Diskussionen und Statements treffen wollten. Die deutsche Delegation war mit etwa 50 Personen von Hamburg bis München vertreten und schaffte es, nachdem die Abgeordneten sich ausgiebig vorgestellt hatten, ihre Wünsche, Vorstellungen und Forderungen deutlich zu machen.
Am Mittwoch, 5.9. trafen wir uns alle im Parc du Contade, sehr gut zu erreichen mit der absolut rollstuhlgerechten Trambahn, zum eigentlichen Freedom Drive. Das Wetter meinte es gut und die etwa 2 km lange Rallye für die Rechte behinderter Menschen bis zum Parlament machte Spass. Alle Passanten, wartenden Autofahrer und anderen Beobachter wurden unterwegs aufgefordert, die Unterschriftenaktion 1million4disability zu unterstützen. Am Ziel, dem Innenhof des Europäischen Parlaments, wurde dem Vorsitzenden der interfraktionellen Arbeitsgruppe für Behinderte Mr. Richard Howitt die Liste mit den Forderungen überreicht:
1.) Selbstbestimmt Leben und De-Institutionalisierung sollen weiterhin das Hauptthema in der Behindertenpolitik der Europäischen Union bleiben, effektive Ausführung durch Bereitstellung der nötigen Mittel, wo sie gebraucht werden, wird erwartet.
2.) Die Anerkennung der persönlichen Assistenz als Menschen- und Bügerrecht ist notwendig für die Ausführung des selbstbestimmten Lebens, welches dem Nutzer ermöglicht, voll am Tagesgeschehen, egal ob zuhause, in Beruf, Schule, Freizeit, auf Reisen oder in der Politik, teilzunehmen. Dieser Service soll allen Menschen, egal mit welchen Behinderungen und welchen Alters, auf der Basis von praktischer Hilfe und unabhängig vom Gesundheitszustand, Einkommen und dem Familienstand, dienen.
3.) 5 % der EU Entwicklungsgelder sollen an Behinderte in Entwicklungsländern abgegeben werden.
4.) Soziale Eingliederung und Gleichstellung Behinderter sollen weiterhin an erster Stelle der Tagesordnung stehen.
5.) Ressourcen für persönliche Assistenz im Rahmen der geltenden Gesetze in der EU (ermöglicht freie Wohnsitzwahl).
6.) Ratifizierung der UN Konvention durch die EU so bald wie möglich.
7.) eine behindertenspezifische Richtlinie unter Einhaltung der UN Konvention und den Forderungen der Petition „1million4disability“.
8.) Die Behinderten aller europäischen Länder und ihre Organisationen müssen entscheidend in alle politischen Entscheidungen einschließlich Planung, Ausführung und Entwicklung einbezogen werden nach dem Motto „Nichts über uns ohne uns“.
Sehr interessant war am Spätnachmittag das Treffen mit der Disability Intergroup des Europäischen Parlaments. ENIL-Vorstand John Evans aus England schilderte in beeindruckender Weise, worum es den Behinderten eigentlich geht und wie ihre Vorstellungen zu verwirklichen sind. Simultan-Übersetzer ermöglichten es allen Anwesenden, alles zu verstehen und am Gespräch teilzunehmen.
Bleibt zu hoffen, dass nicht nur uns die Tage in Erinnerung bleiben, sondern auch den Abgeordneten…
F.S

Sie befinden sich hier: VbA News aktualisiert: 10.09.2010