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Internationaler Tag der Menschen mit Behinderungen 2020

 

Am 3. Dezember jedes Jahres ist der von den Vereinten Nationen ausgerufene Gedenk- und Aktionstag, der das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Probleme von Menschen mit Behinderung wachhalten soll und den Einsatz für die Würde, persönlichen Rechte und das Wohlergehen dieser Menschen fördern soll.

Der Tag ist auch noch als Internationaler Tag der Behinderten bekannt, da dies bis 2007 die offizielle Bezeichnung war. An diesem Tag werden Organisationen dazu aufgerufen, sich den Belangen und Problemen behinderter Menschen zu widmen und diese publik zu machen.

Die UN-Behindertenrechtskonvention hat 2008 „Inklusion“ als Menschenrecht für Menschen mit Behinderungen erklärt. Inklusion (lateinisch „Enthaltensein“) bedeutet, dass alle Menschen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Das heißt: Menschen mit Behinderungen müssen sich nicht mehr integrieren und an die Umwelt anpassen, sondern diese ist von vornherein so ausgestattet, dass alle Menschen gleichberechtigt leben können – egal wie unterschiedlich sie sind. Das Ideal der Inklusion ist, dass die Unterscheidung „behindert - nicht behindert“ keine Relevanz mehr hat.

Aus Anlass des Internationalen Tags der Behinderten 2020 will der VbA Selbstbestimmt Leben e.V. darauf hinweisen, dass in Deutschland mehrere Millionen Menschen mit Behinderungen in besonderem Maße von den Regelungen zur Corona-Eindämmung betroffen sind. Besonders betroffen von Ausgangsbeschränkungen sind Menschen mit Behinderungen, egal wie alt sie sind. Sie alle sind verunsichert. Wenn das Sozialschutz-Paket jedoch ausgepackt und reinschauet wird, stellt man fest, dass für Menschen mit Behinderungen da wenig drin ist.

In der Corona-Zeit finden die Probleme von Menschen mit Behinderung jedoch oft nur wenig Beachtung, dabei hat sich ihr Alltag und der ihrer Familienangehörigen in der Pandemie stark verändert: Unkomplizierter ist er nicht geworden.

Behinderte Menschen sind je nach Beeinträchtigung durch die Corona-Krise in ihrem Alltag nun stärker eingeschränkt als sonst – oder auf weitere Hilfen angewiesen. Besuchs- und Ausgangsbeschränkungen führten für viele Behinderte zu mehr Ausgrenzung denn je. Menschen mit Behinderung müssten sich derzeit noch stärker von anderen zurückziehen, weil sie zu den Corona-Risikogruppen zählten. Die Gefahr von Isolation und psychischen Belastungen ist deutlich höher. Frauen mit Behinderungen seien fast doppelt so häufig Opfer von körperlicher Gewalt wie Frauen ohne Behinderungen. Kinder mit Behinderungen hätten ein drei- bis viermal höheres Risiko, Opfer von Gewalttaten zu werden.

Wie halten blinde Menschen Abstand? Wie fühlt man sich als Teil der Risikogruppe? Wie finden Menschen die im Alltag benötigten persönliche Assistenz, wenn es plötzlich niemanden mehr gibt, der diese Arbeit tun will oder kann.

Menschen mit Behinderung sind deswegen in Corona-Zeiten oft doppelt gestraft. Die Öffnung der Gesellschaft stößt zurzeit an ihre Grenzen. Vor allem auf dem Arbeitsmarkt entstehen durch die Pandemie neue Barrieren. Isolation und das Umschalten auf Digitales macht die Corona-Krise für viele Behinderte besonders belastend.

Soziale Isolation gilt zudem als Stressfaktor, der seelische Beeinträchtigungen verstärken kann. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Heinz, erklärt dazu, die Gefahr sei groß, dass schwerkranke Patienten den Verzicht auf den persönlichen Kontakt nicht lange aushielten. Gleichzeitig seien behinderte Menschen in der Krise teils vielleicht resilienter, psychisch belastbarer und widerstandsfähiger. Menschen ohne Behinderung machten zurzeit Erfahrungen, die viele Menschen mit Behinderung schon ihr ganzes Leben lang hätten. Dazu gehöre die Isolation zu Hause und auch, dass man nicht einfach mal spontan nach draußen gehen könne.

 

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